Christian Fülling, Traumarbeit für Schauspieler

Christian Fülling
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Im Wartezimmer der Ewigkeit ... >

Dialog aus "Der Heiler und die Hexe" >

 


 

 

Im Wartezimmer der Ewigkeit ...

 

Die Ewigkeit ist das Kostüm der Unendlichkeit,
ein Kostüm, das ich erst tragen kann,
wenn ich die Verkleidung der Endlichkeit,
des Vergehenden, abgelegt und entstaubt habe!

Der Staub der Zeit, das Werkzeug der Begrenztheit,
wird zur meiner Wahrheit durch meine Erfahrungen in der Unsicherheit!
Diese Erfahrungen sind von aller größter Wichtigkeit,
um die Ewigkeit, die Basis von allem, zu verstehen.

Die Ewigkeit ist der Raum, in dem ich mich selbst begreife,
wenn ich erst einmal in der Endlichkeit gefangen bin;
sie ist der Raum, in dem ich all meine Freuden erfahren
und all meine Wünsche realisieren kann!

Jedoch führt der Weg in diese Unermesslichkeit
durch das Wartezimmer der Ewigkeit,
das einzige Wartezimmer im ganzen Sein,
in dem ich nicht erwartet und aufgerufen werde!

Das Wartezimmer der Ewigkeit
ist das Labor zur Auflösung der individuellen Unbewusstheit,
der einzig wahren Krankheit,
dem einzig wahren Grund, warum ich dort verweile.

In diesem Wartezimmer trifft man all die Menschen,
die glauben, sie seien krank, obwohl sie kerngesund sind;
die ein Leben lang von etwas träumen, auf etwas warten,
aber nicht wissen, dass es der Traum selbst ist, der sie dort gefangen hält!

Sie sind voll gestopft mit meterlangen Talenten,
mit nicht abzusehenden Arzneimitteln gegen die allgemeine Unbewusstheit,
ausgestattet mit Instrumenten der göttlichen Bewusstheit,
aber erdrückt in ihrer selbst erschaffenen Ängstlichkeit.

Das Endliche und die Ewigkeit gehen Hand in Hand,
das eine kann ohne dem anderen nicht existieren,
jedoch nur eines zu wählen,
lässt mich zur Bewegungslosigkeit erfrieren!

Demzufolge brauche ich die Vergänglichkeit als Maßstab
für die geistige Erfassung der Möglichkeiten in der Unendlichkeit!
Habe ich diese Opportunität einmal begriffen,
gelange ich automatisch in das Wartezimmer der Ewigkeit.

 

Die Endlichkeit und die Ewigkeit sind beide real,
aber das Wartezimmer, in dem ich mich nun befinde,
existiert nur in meinem eigenen Kopf, in meinem Denken,
dort wird es niemals jemanden geben, der kommt und mir hilft!

 

Erst wenn ich begreife, dass niemand kommt,
wenn ich mich dazu entscheide, aufzustehen
und das Wartezimmer eigenverantwortlich zu verlassen,
erst dann kann ich in der Endlichkeit unendlich glücklich werden!


Copyright by Christian Fülling

 

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„Der Heiler und die Hexe“

 

„Der Heiler und die Hexe“ ist mein persönlich bis dato wichtigstes Werk, fertiggestellt in 2011. Ein tiefenpsychologisches Drama ausschließlich in Reimformen geschrieben.    
Es geht um den stadtbekannten und erfolgreichen Heiler Jeronimus, der plötzlich seine Geistesgegenwart zu verlieren scheint, da er sich mit einer weiblichen Person, namens Gesche, die nur in seinem Wohnzimmerspiegel existiert, im Dialog befindet. Seine Heilkräfte schwinden, die Einwohner der Stadt richten sich gegen ihn, der Wahnsinn scheint ihn zu holen. Er sinkt in tiefe Selbstzweifel, bis der Suizid der einzige Ausweg für ihn zu sein scheint …
In folgender Szene wird er von der hilfesuchenden Ottilia besucht, während Gesche, für Ottilia nicht sichtbar, aus dem Spiegel heraus alles beobachtet.

 

 

 

Es klingelt. Jeronimus öffnet die Tür. Vor ihm steht Ottilia auf Krücken.

 

Ottilia 
Werter und geschätzter Herr Wadenpohl,
Ich komme aus einem bestimmten Grund,
Ich fühle mich nämlich alles andere als wohl.
Können Sie mir helfen aus diesem Schund?

 

Jeronimus
Gnädige junge Dame, hübsche Maid,
Seien Sie so frei und setzten sich nieder
In meinen Sessel, zwar ein wenig bieder
Dennoch für Ihre Sorgen bereit.

 

Ottilia
Haben Sie vielen Dank werter Herr Wadenpohl,
Mir geht es wahrlich wie einem abgeschlachteten Huhn,
Ich weiß auch nicht, was ich soll noch tun;
Meine Seele und mein Körper können nicht ruhn‘,
Bitte verhelfen Sie mir zu meinem alten Wohl.
Ich benötige Ihr Wissen über das göttliche Gefecht, 
Die andere Seite meines persönlichen Schlecht.
Oh, Sie wissen ich bin eine Maid,
Offensichtlich besitzen Sie die Kraft und scheinen bereit,
Mir zu helfen aus dieser misslichen Lage;
Ich bitte um Verkürzung meiner schmerzlichen Tage.

 

Jeronimus
So nennen Sie mich bitte Jeronimus,
Das hat die Heilkraft gern.
Ist unsere Beziehung auf geringer Distanz
Fühlt sie sich nicht so fern;
Sie beginnt unverzüglich mit ihrem Tanz.
Also, von nun an bin ich der Jeronimus.
Was genau, junge Dame, schmerzt Ihrem Organismus?

 

Ottilia
Ich weiß nicht genau wo ich soll beginnen,
Wenngleich mein Körper deutlich spürt die Schmerzen,
Scheint die Ursache all dessen wohl tief in mir drinnen,
Viele Freunde denken ab und an, ich sei am scherzen.
Niemand schenkt mir den verdienten Glauben,
Auch dies scheint von meiner Vitalität zu rauben.
Ich kann die Symptome nicht genau definieren,
Mal sind es offensichtlich meine Nieren,
Dann wieder schreien mein Magen und der Rücken,
Am nächsten Tag vermag ich kaum zu gehen;
Ich komm zu Ihnen, werter Jeronimus, auf Krücken!
All das erfahre ich seit langem und kann’s nicht verstehen.
Ich bin so jung, und der Schmerz ignoriert mein Flehen.

 

Jeronimus
Was ist der Schmerz? Nichts anderes als ein Symbol des Lebens,
Welches kommt zumeist und unverhofft in Zeiten,
In denen wir uns nicht wollen darauf vorbereiten.
Das Unangenehme ist in Wahrheit nie vergebens.
Alles hat seinen tieferen und seinen höheren Sinn,
Mit dem Verstand allerdings kommen wir dort nicht hin.
Sie wissen, ich biete keine lange Therapie,
Den Grund aller Gründe fänden wir so nie.
Ich steige mit Ihnen in Ihr höheres Sein,
Die Schaltzentrale des Allmächtigen und ewigen Ein‘.

 

Jeronimus setzt sich ebenfalls auf einen Stuhl direkt vor ihr.

 

Es ist hier von größter Wichtigkeit,
Fallen zu lassen all Ihre Eitelkeit,
Sich mir hinzugeben und zu vertrauen,
Nur so kann die Kraft wirken;
Sie müssen sich tief in Ihnen trauen,
Das geglaubt Unmögliche zu bewirken.
Schließen Sie nun Ihre schönen Augen
Und reichen mir Ihre zarten Hände;
Wir lassen den Schmerz raus saugen,
Durchbrechen die stählernen Wände.

 

Ottilia folgt seinen Anweisungen. Jeronimus schaut kurz zum Spiegel; Gesche nickt und beide schließen ihre Augen. Lange Pause.

 

Können Sie etwas spüren oder fühlen,
Eine andere, neue Art der Empfindung?
Sie scheint Ihre Zellen zu waschen und spülen,
Sie löst Sie von Ihrer schmerzlichen Bindung.
Hören Sie ganz tief in sich hinein,
Die Stimme der Wahrheit ist selten rein;
Wenn Sie wirklich lauschen und zuhören,
Finden Sie Klänge und Sphären, die betören.

 

Ottilia
Oh, es offenbart sich etwas zu kristallisieren,
Ist die Kraft sich am verbalisieren?
Ein Gefühl, eine Sensualität, ein Erleben,
Mir gänzlich unbekannt, noch nie gespürt;
Die Zellen scheinen erfüllt mit neuem Leben,
Das mich just auf tiefer Ebene berührt.

 

Jeronimus
Ja, es ist die Kraft. Ich spüre desgleichen.
Sie ist immer in unserem System,
Wir könnten ihr niemals ausweichen;
Für viele jedoch zu schwer zu verstehen.
Lassen Sie zu, was Sie gerade fühlen,
Alles wird sich von Neuem errichten,
Die Heilung sich durchs System wühlen,
Sofern Sie innehalten, nach Altem zu richten.

Ottilia folgt seinem Rat.

 

Wir erkennen, dass sich in ihrem Körper einiges tut,
es ist klar und deutlich;
nach einer Weile öffnen alle drei zeitgleich ihre Augen;
Jeronimus und Ottilia schauen sich an. 

 

Ottilia
Oh gütiger Jesus, was ist geschehen?
Ist sie doch wahr seine Lehre?
Alles ist… ich kann es kaum verstehen -
Wie weggeblasen - diese tödliche Leere!
So haben Sie Dank und meine ewige Liebe,
Ich schein befreit von des Teufels Lust und Hiebe.

 

Jeronimus
Ihr Dank gehört nun ganz in andre Richtung,
So hab ich doch nichts wirklich bewirkt;
Gab der Heilkraft ihre ursprüngliche Dichtung,
Die grundsätzlich auf tiefster Ebene wirkt.
Von Nöten scheint nun die Kunst Ihres Verstehens:
Diese Kraft fließt nie und nimmer Versehens.
Weder ich noch andere sind sie, diese Kraft,
Die durch unseren Entschluss ihren Weg zur Heilung schafft.

 

Ottilia
Dieses unbeschreibliche Glück mir soeben widerfahren
Sind die Wirkungen Ihres Wissens, Ihrer Kunst zu geben;
Meine Seele endlich genießt und aufs Neue darf erfahren,
Das Wunder des Glaubens schlussendlich zu leben.

 

Ottilia steht langsam auf und geht ein paar Schritte ohne Krücken.

Gütiges Leben, ich kann es kaum glauben, kaum fassen,
Meine Krücken brauchen nicht mehr aufzupassen!

Ein großer Ausbruch der Freude macht sich bemerkbar
und Ottilia tanzt durch den Raum.

Ich spüre keinen Schmerz, keinen Krampf,
Ich danke dem Leben für all dies und mehr,
Ich kann laufen, lachen ohne Kampf,
Der Sinn des Seins scheint nicht mehr leer.
Ich, unbeschreiblich glücklich und zufrieden,
Endlich, endlich find ich meinen verdienten Frieden.

 

Sie geht zu Jeronimus und umarmt ihn…

 

Werter Jeronimus, ich habe Ihnen zu danken,
Dass meine Zellen neue Kraft auftanken!

 

Jeronimus begleitet sie zur Tür.

 

Jeronimus
Denken Sie immer daran, es ist die Kraft,
Nicht ich, die all das erschafft.
Genießen Sie Ihre neuen Tage,
Stellen Sie niemals das Geschehene in Frage.
Dies zu tun würde bedeuten,
Der Kraft ihre Energie auszubeuten;
Das wäre nicht nur fatal sondern dumm,
Es brächte Ihre neugeborene Frische umgehend um.

 

Jeronimus schließt die Tür.

                                                                                                         

Copyright by Christian Fülling

 

 

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